Zum Wort Tantra gibt es ungefähr so viele Definitions-Möglichkeiten, wie Menschen die den Begriff verwenden. Mit Tantra kann eine tief spirituelle Praxis ohne jeglichen Körperkontakt gemeint sein. Tantra kann auch ein billiges Etikett für einfache Prostitution sein. Tantra kann alleine, zu zweit oder mit mehreren Menschen praktiziert werden. Unter Tantra kann man sich strikte Rituale vorstellen, aber ebenso ein unendliches Universum an Möglichkeiten.
Tantra-Massage
In unseren Kulturkreisen könnte vieles auch unter dem Begriff "Neo-Tantra" zusammengefasst werden; die Tantra-Massage ist dabei ein (mehr oder weniger) definiertes Ritual.
Kern diese Rituals ist eine sinnliche Massage, welche unter Voraussetzung des Konsens auch Intimbereiche einbezieht. Dabei sind die Rollen zwischen gebender (massierender) und empfangender Person klar aufgeteilt.
Als weitere Orientierungshilfe und möglicher Rahmen können beispielsweise die Grundsätze des Fördervereins Tantramassage dienen.
Wie bei allen anderen Angeboten ist eine klare Kommunikation bezüglich deiner Wünsche und Grenzen die unverzichtbare Grundlage für die Begegnung.
Mein (Er-) Lebensraum
Für mich persönlich ist Tantra eine Art Grundhaltung, ein möglicher Weg zu einer ganzheitlichen und bewussten Lebenserfahrung. Es ist die Freude, wenn ich mich selbst liebevoll in meiner Einzigartigkeit wahrnehmen kann und genau so, wenn mir dies bei einem Mitmenschen gelingt.
Es kann der Sekundenbruchteil des Lächelns eines Unbebkannten auf der Strasse sein. Es kann ein experimenteller sexpositiver Raum sein, wo ich gemeinsam mit anderen Menschen Grenzen erkunden und vielleicht auch erweitern darf.
In meiner Erfahrung sind Ehrlichkeit und Offenheit zentrale Punkte für wundervolle Begegnungen. Je mehr ich und mein Gegenüber sich selbst ermächtigen, sich mit all ihren Sonn- und Schattenseiten zumuten, desto erfüllender kann es werden.
Als hilfreich empfinde ich natürlich auch, wenn es gelingt sich dem Moment hinzugeben. Nicht etwas planen oder tun wollen, sondern im Idealfall seinfach zu SEIN.
Ich geniesse Gelegenheiten, wenn ich nackt sein und / oder andere Menschen in ihrer Natürlichkeit wahrnehmen darf. Ich schätze es sehr, wenn ich auch körperliche Nähe schenken oder empfangen kann.
Doch auch wenn mir solches wichtig und willkommen ist, werte ich dies nicht anders als andere Formen des Austauschs. Ob ich Stille teile, spreche, tanze oder schreibe, ob ich einem Menschen die gewünschte Distanz schenke oder mich vereinige: Es sind für mich alles gleichberechtigte und gleichwertige Möglichkeiten.
Gesellschaftliche "Normen" vemitteln Einschränkungen oder "Bedingungen" - vieles davon konnte ich seit je her weder verstehen noch für mich gelten lassen. Trotzudem gibt es auch bei mir noch diverse Prägungen und Ängste, welche ich erst allmählich los lassen kann.